Nun geht diese Redewendung zwar auf die Bibel zurück, mit der die Bewohner meines nächsten Reisezieles mal so gar nix an der Ghutra haben, trotzdem passt der Titel hier ganz gut, besteht das Land doch nahezu vollständig aus Wüste. Katar - etwas kompakter als Schleswig-Holstein, gelegen auf einer Halbinsel an der Ostküste der Arabischen Halbinsel. Ist es deswegen womöglich nur eine Viertelinsel, frage ich mich.
Alles war eigentlich schon für eine Reise im Dezember 2025 eingetütet und gebucht. Doch diese Pläne waren wie Doha auf Sand gebaut, hat mir eine grundsätzlich zwar nicht dramatische, aber dafür recht hartnäckige Erkrankung jegliche Ausflugs- und Reisepläne zunichte gemacht. Im nahenden Frühjahr möchte ich einen neuen Versuch starten.
Einst von Beduinen, Fischern und Perlentauchern bewohnt, gehört Katar heute zu den reichsten Ländern der Erde, nachdem 1939 erste Erdölvorkommen entdeckt wurden. Seither sprudeln unaufhaltsam Gas, Öl und Qatar-Riyal. Das Emirat steht allerdings wegen der Menschenrechtslage im eigenen Land vor allem im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2022 und der Unterstützung bestimmter Gruppierungen im Ausland bisweilen in der Kritik, nimmt andererseits diesbezüglich eine wichtige Vermittlerrolle ein. Ich möchte mir ein eigenes Bild machen, insbesondere von Doha, der Stadt zwischen Wüste und Meer, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Souk und Skyline.
Achja, und ein bisschen entspannen möchte ich unter der arabischen Sonne auch. Ein paar Points of Interest sind gesetzt, der Gedanke an den Kauf eines Buches huscht gelegentlich durch meinen Stirnlappen und das gebuchte Hotel ist hoffentlich gut ausgewählt. Vermutlich werde ich nicht wie Herr Schneider - gesehen in einer Reportage über Luxury Travel - kurz vor Ankunft noch das Hotel kontaktieren können, weil ich meine Lesebrille in Singapur vergessen habe, woraufhin das Hotel umgehend eine neue Sehhilfe vom örtlichen Optiker anfertigen lässt. Aber was soll's, meines ist gelegen an der Uferpromenade und bietet immerhin Gym, Pool, Zimmer mit Meerblick und eine Metrostation ganz in der Nähe. Vielleicht auch einen Optiker. So wird man's sicher ein paar Tage gut aushalten können, zumal die erwarteten Temperaturen in meiner Reisezeit mit um die 30°C um einiges erträglicher als die über 40°C im Sommer sein dürften.
28.02.2026. Der mutmaßlich völkerrechtswidrige Krieg Israels und der USA gegen den Iran und dessen Gegenangriffe auf Länder in der Region, darunter auf einen Luftwaffenstützpunkt am Stadtrand Dohas, lassen die Lage in Nahost eskalieren. Das Auswärtige Amt warnt aktuell vor Reisen nach Katar. "Flights to and from Doha have been temporarily suspended..." heißt es folgerichtig in der App der Fluggesellschaft, die mich eigentlich demnächst an meinen Urlaubsort bringen soll. Bis dahin ist es zwar noch ein bisschen hin, doch Vorfreude weicht Besorgnis. Selbstfürsorgliche Vorfreude zwar auf Urlaub, größer werdende Besorgnis indes um die Lage im Nahen Osten und der Welt. Unrecht mit Unrecht zu bekämpfen und auf die Macht des Stärkeren zu setzen, kann nicht ernsthaft das Zukunftsmodell der menschlichen Zivilisation sein.
11.03.2026. Der israelische und US-amerikanische Angriffskrieg auf den Iran tobt weiter mit dramatischen Folgen für den gesamten Nahen Osten. Der deutsche Außenminister hat eine Handvoll in Doha gestrandete Touristen in einer Militärmaschine mit nach Riad genommen. Darauf sollte ich lieber nicht vertrauen. Optional könnte eine Ausreise aus Katar auf dem Landweg erfolgen. Die ungefähr 14 Stunden dauernde Busfahrt durch die Wüste nach Riad wird allerdings als beschwerlich beschrieben. Naja, meine Airline wird in den nächsten Tagen ohnehin nur eine begrenzte Anzahl ausgewählter Flüge von und nach Doha durchführen um von der aktuellen Lage betroffene Passagiere zu unterstützen. Wann der planmäßige Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann, steht nicht fest. Zwar habe ich meine Reise immer noch nicht storniert, arbeite jedoch parallel an einem Plan B. Zugegeben, ein ziemlich banales Westliche-Welt-Problem, während korrupte Autokraten, religiöse Fanatiker und FIFA-Friedenspreisträger humanitäre und Umweltkatastrophen heraufbeschwören und die Welt in den Abgrund zu reißen drohen.
17.03.2026. Ich habe storniert und damit erneut auf Sand gebaut. Doha muss leider noch warten. Alternativ steht in Kürze zunächst Köln für 3 Tage auf dem Programm. Bei meinem ersten Besuch vor einigen Jahren hat mich die Stadt nicht wirklich überzeugt, wobei vom rechtsrheinischen Ufer aus beeindruckte sie in der Dämmerung dann doch.
Diesmal will ich in erster Linie eine Ausstellung besuchen. Das Museum Ludwig zeigt Werke der 97-jährigen japanischen Künstlerin Yayoi Kusama. Ihr Markenzeichen sind farbige Punkte, mit denen sie Zeichnungen, Skulpturen und Installationen verziert. Kannte ich vorher nicht, will ich mir jetzt aber unbedingt mal ansehen. Und in der verbleibenden Zeit gebe ich Köln nochmal eine zweite Chance.
...wird demnächst fortgesetzt.
