Kaiserslautern?
Klagenfurt-Land?
Klein-Liebitz, bewohnter Gemeindeteil von Lamsfeld-Groß Liebitz, Ortsteil der Gemeinde Schwielochsee in Brandenburg?
Nö, in Zürich doch keine Weltuntergangsstimmung, es läuft alles weitestgehend nach Plan. Gleich ist Boarding. Nächster Zwischenstopp Singapur. Landung nach zwölfstündigem Flug hier allerdings gute 30 Minuten verspätet, es kommt ein bisschen Hektik auf, aber ich erreiche meinen Flieger für den kurzen Hüpfer nach Kuala Lumpur, der dort fast pünktlich um 19:50 Uhr Ortszeit landet.
Eher nicht. Mögen alle drei Ziele auf ihre Art vielleicht ganz nett sein, brauche ich doch mal wieder Millionenmetropolen- und Schmelztiegel-Vibes. Und so zieht es mich in diesem Sommer an die schlammige Flussmündung. Übersetzt ins Malaiische: Kuala Lumpur.
Dort, wo der Fluss Gombak in den Fluss Klang mündet, gab es einst dichten Dschungel und nicht unerhebliche Zinn-Vorkommen. Aus dem kleinen Bergbau-Städtchen von 1857 wurde Malaysias Hauptstadt mit geschätzt 8 Millionen Einwohnern in der Metropolregion, vornehmlich Chinesen, Malaien und Inder. Ich stelle mir Kuala Lumpur multikulturell wie Singapur, mancherorts abgeranzt wie Bangkok vor. Das könnte mir gut gefallen.
Mein gebuchtes Hotel ist hoffentlich nicht abgeranzt, ganz sicher ist es nicht das erste Haus am Platze, jedoch mega zentral im Golden Triangle von Kuala Lumpur gelegen zwischen den Petronas Twin Towers und Bukit Bintang.
Ein Upgrade gibt's immerhin bei meiner Reiselektüre. In Bangkok war es Paul Bokowski "Hauptsache nichts mit Menschen", in Kuala Lumpur wird es "Ich hasse Menschen - Eine Art Liebesgeschichte" von Julius Fischer sein: "Die Frau ... neben mir isst einen Apfel. Mit ihrem gesamten Gesicht. ... Sie isst wirklich passioniert. ... Die Kau-Frau." Na, da bin ich ja mal gespannt, wie es mit der Kau-Frau weiter geht.
Aber zurück zum Thema: Kuala Lumpur. Eine liebe Kollegin, die vor wenigen Tagen für einen Stopover in der Stadt und noch dazu erstmals in Asien war, schreibt begeistert: "... schranzig schön, krasse Gerüche und schön bunt." Na bitte.
Die Malaysia Digital Arrival Card ist ausgefüllt, der Check-in für Flüge und Hotel ist erfolgt, ein Ticket für den KLIA Ekspres vom Airport zum Hauptbahnhof ist gebucht, feucht-heißes Tropenklima gab's kürzlich schon in Europa. Tja, was soll ich noch sagen?
Mari kita mulakan! Übersetzt ins Plattdeutsche: Denn man tau!
Und da sitz ich nun im Flieger am Hamburger Flughafen und nichts geht im Moment, die Warnung vor unwetterartigen Gewittern über Zürich lässt mich etwas skeptisch bezüglich der Anschlussflüge werden.
Nur mein Gepäck hat's nicht geschafft. Es soll morgen ins Hotel gebracht werden. Dorthin bin ich nun auch erstmal unterwegs, knappe halbe Stunde mit dem KLIA Ekspres nach KL Sentral, von dort ein paar Stationen mit der Monorail und noch ein kurzer Fußmarsch. Ausgerechnet dieser gestaltet sich nicht ganz so mühelos wie gedacht.
23:00 Uhr, 25. Etage. Das Hotelzimmer ist nicht abgeranzt und schnell bezogen. Außer der Holz-Zahnbürste vom Flug gibt's ja auch nicht viel auszupacken. Nur noch eben einen Blick aus dem Fenster werfen und bemerken, dass das Zimmer noch ein zweites, unscheinbares kleineres Fenster hat, und nun - nach 18 Stunden auf Achse - ruft das Bett.
Schön grün ist's im KL Forest Eco-Park, einem kleinen Stück nahezu unberührten Regenwald inmitten der Stadt. Für meinen Geschmack sind umgerechnet über 8 Euro Eintritt aber ein bisschen happig.
Schweiß- und regennass und noch dazu, weil ich mich auf rutschigem Untergrund lang gemacht habe, dreckig begebe ich mich anschließend erstmal wieder ins Hotel. Gegen
15:00 Uhr endlich die erlösende Nachricht: Regarding your baggage deliver from airport: Baggage already sent to hotel reception. Derweil erreiche ich über den überdachten und einigermaßen klimatisierten Pedestrian Walkway den KLCC Park. Nur mal kurz gucken, am Horizont zieht die nächste Gewitterfront auf.
Gegen 18:00 Uhr (es regnet immer noch oder schon wieder, aber in Maßen) mache ich mich erneut Richtung KLCC Park auf.
Allerdings ist der Park nur Durchgangsstation auf dem Weg nach Kampung Baru, einer ländlichen malaiischen Siedlung mit traditionellen Holzhäusern mitten in der Stadt nordwestlich des Kuala Lumpur City Centre. So ein bisschen erinnert mich das Viertel an die Hutongs in Peking.
Tradition und Moderne - verbunden über die Saloma Bridge. Wir drehen uns an dem Standort, von dem aus obiges Bild entstanden ist, mal gemeinsam um.
Über den KLCC Park und den Pedestrian Walkway geht es auf altbekannten Pfaden zurück.
Die heutigen Kennzahlen nach Gym und ausgiebigem Frühstück sind 10, 28, 82. Mit der Monorail und der MRT Kajang Line steuere ich als erstes Chinatown an.
Ganz langsam finde ich mich auch in dem Wirrwarr verschiedenster Anbieter öffentlicher Verkehrsmittel zurecht: MRT, LRT, MR, KTM Komuter. Kostengünstig ist es allemal.
Den Mittelpunkt von Chinatown bildet der Petaling Street Market, ein überdachter Straßenmarkt mit allerlei Firlefanz hauptsächlich für Touristen. Mein Fall ist es nicht so, obwohl mir die ein oder andere hochwertige Marken-Armbanduhr sehr günstig angeboten wurde.
Die Nebengassen stoßen dann schon mehr auf mein Interesse. Und hier kommt wieder meine Kollegin ins Spiel: krasse Gerüche von zahlreichen Restaurants und Garküchen (und von in der prallen Sonne stehenden Abfalltonnen).
Schön bunt ist's hier auch.
Mit Kwai Chai Hong hat das Viertel zudem einen versteckten (naja, wobei so versteckt nun auch wieder nicht) Hinterhof zu bieten, in dem man ein bisschen ins Chinatown der 1960-er Jahre eintauchen kann.
Die größte Nachmittagshitze, mittlerweile sind es 32-33 °C, aber immerhin regnet's nicht, wie übrigens auch den Rest des Tages nicht mehr, verbringe ich im Hotel. Wie sich zum späteren Nachmittag noch ein Glas herrlich kalter Chardonnay dazu gesellt hat, ist nicht überliefert.
Hab ich heute vormittag nicht noch stolz berichtet, dass ich mich im Wirrwarr des kualalumpurischen öffentlichen Personennahverkehrs langsam zurechtfinde? Wohl nicht. Um mein abendliches Ziel zu erreichen, hat mich ebendieser reichlich Lebenszeit und Nerven gekostet. Dass sich von der Endhaltestelle noch ein fast zweieinhalb Kilometer langer Fußweg anschließt, teilweise stramm bergauf, liegt indes an meiner mäßigen Planung. Schweißgebadet erreiche ich mein Ziel: den chinesischen Thean Hou Temple auf den Robson Heights. Und dann das: Punkt 20:00 Uhr werden hier die Lichter ausgeknipst und die Besucher mit Trillerpfeifen vom Hof gejagt.
Haha, was ein Glück, erreiche ich doch 19:30 Uhr schweißgebadet das Tempelgelände.
Das Trillern der Pfeifen im Ohr steige ich wieder hinab und steuere das Viertel Bricksfields, Kuala Lumpurs Little India an.
Und mit einem letzten Blick in die weitestgehend klare Nacht endet ein sonniger, erlebnisreicher Tag.
11 (eher 11:30, der Urlaubsmodus ist aktiviert), 29, 73 - so die Kennzahlen des dritten Tages. Aufbruch zum Botanischen Garten, Planänderung aufgrund einsetzenden Regens und Gewitters. Masjid Negara, die 1965 eröffnete und 2005 zum nationalen Kulturerbe erklärte Nationalmoschee befindet sich ohnehin auf dem Weg und bietet Unterschlupf.
Der Blick vom überdachten Gelände der Moschee auf die Old KL Railway Station und den Merdeka 118 ist einerseits ganz schön, lässt in mir aber auch den Gedanken reifen: Abbruch.
Eine Wolkenlücke nutzend husche ich zur nächstgelegenen Bahnstation, fahre nach Bukit Bintang und gehe in die Berjaya Times Square Mall. Mir ist weder nach Bummeln, geschweige denn nach Shoppen, aber nach was essen und nach Kopfschütteln ob der schieren Größe (sagt man das so?). Da ist wohl nur eine Randnotiz, dass dort'n Rummelplatz mit drin ist.
Als ich die Mall verlasse, regnet es immer noch. Also auf zum Hotel, die Monorail kommt.
... wird fortgesetzt.








































































