Europa oder Asien?
Am allerliebsten Südostasien. Nur leider hab ich jetzt im Oktober nicht allzu viel Zeit zum Reisen, obendrein gibt's ein entsprechendes Ziel nicht gerade zum Schnäppchenpreis. Ich hab immer wieder verschiedenste Szenarien durchgespielt.
Und nur Europa, sowas wie Rom, Bilbao oder Antwerpen? Joa.
Nach langem Hin und Her ist nun der Preis-Leistungs-Sieger gefunden: Magnitogorsk, die Stadt am magnetischen Berg, gelegen auf der innereurasischen Grenze.
Nein, Quatsch. Istanbul - weltweit größte Stadt, die sich über zwei Kontinente erstreckt.
Um 660 v. Chr. unter dem Namen Byzantion gegründet und später zu Ehren des römischen Kaisers Constantinus in Konstantinopel umbenannt, ist Istanbul heute eine 15-Millionen-Metropole am Bosporus mit kultureller Prägung durch Griechen, Byzantiner, Römer, Osmanen und Türken. Für die UNESCO kein "Problem im Stadtbild", sondern Grund genug, etliche historische Stätten Istanbuls zum Weltkulturerbe zu erklären.
Doch vorher nochmal eben schnell Zwei mit Einem: Rostock und Warnemünde mit einer Festbrennweite. Ich bin zum einen nämlich Besitzer eines neuen Objektivs, zum anderen meinem Gefühl gefolgt dringend mal aus dem Hamsterrad namens Arbeitsalltag ausbrechen zu müssen. Keine 48 Stunden dauert dieser spontane Wochenend-Trip, also hopp.
Schoko-Vanille-Softeis in der Waffel. Gleich zweimal. Broiler. Ein Halber.
Rostock. Innenstadt und Stadthafen.
Warnemünde. Alter Strom, Westmole, Strand, Seepromenade und Alexandrinenstraße.
Rostock und Warnemünde, für mich Orte voller Erinnerung und perfekt für eine kurze Auszeit. Immer wieder gerne.
Übrigens, punktgenau zum baldigen Städtetrip - da sind sich alle Prognosen ziemlich einig - schlägt in Istanbul das Wetter um. Von sonnig, mild und angenehm zu windig, kühl und regnerisch. Also exakt so wie Hamburg im Moment. Ebenfalls einig sind sich Fachleute - und da würd auch'n Schirm nix nützen - dass Istanbul in näherer Zukunft von einem Erdbeben der Stärke 7 oder höher heimgesucht werden wird. Ich hab mir mal'ne Erdbeben-App aufs Handy geladen, die Lage des Deutschen Generalkonsulats markiert und darüber hinaus vorgenommen mich möglichst nicht weiter verrückt zu machen.
Überpünktliche Ankunft mit TURKIS HAIRLINES im verregneten Istanbul.
Noch ungefähr'ne Stunde geht's mit dem Shuttle-Bus zum Taksim-Platz, in dessen Nähe sich auch das Hotel befindet, ein Boutique-Hotel, schon ein kleines bisschen abgewohnt, auch nicht wahnsinnig groß das Zimmer, aber völlig ok und gute Lage. Regenjacke, Regenschirm, erste Erkundungstour: Taksim-Platz. Für Pfützenfotos ist das Wetter natürlich perfekt.
Nachdem ich auch Blobby, das Buttermonster kennengelernt habe, biege ich ab Richtung Bosporus.
Mit einem Efes und weiterhin leichtem Regen neigt sich der Ankunftstag langsam seinem Ende zu. Şerefe.
Mit irgendeiner "Emergency"-Durchsage beginnt unfreiwillig um 03:20 Uhr der neue Tag. Anscheinend ein technischer Fehler, meine Erdbeben-App bleibt jedenfalls stumm. Der spätere Blick über den Bosporus während des Frühstücks lässt bezüglich des für den heutigen Tag prognostizierten Wetters ein wenig Hoffnung aufkeimen.
Die Blaue Moschee wirkt da schon etwas einladender, auch wenn sie wegen des Mittagsgebets gerade nicht von innen besichtigt werden kann.
Vorbei am Topkapi-Palast, ein Stück durch den Gülhane Park und nach einem Abstecher auf die Galatabrücke...
geht es zunächst in den Ägyptischen Basar...
...und von dort direkt weiter zum Großen Basar, einem der größten und ältesten überdachten Märkte der Welt.
Bilanz der anhaltenden sintflutartigen Regenfälle in Istanbul: zahlreiche Überschwemmungen, Evakuierungen, mindestens drei Tote. Da fallen meine nassen Klamotten und durchgesifften Schuhe nicht wirklich ins Gewicht. Und der Tag endet zumindest mit'nem trockenen Rosé in der Hotelbar.
Istanbul changiert eh den ganzen Tag in allen erdenklichen Grautönen. Immerhin hört der Regen gegen Mittag langsam auf. Nun geht's in die historische Altstadt rund um die Süleymaniye-Moschee, die größte Moschee aus osmanischer Zeit in Istanbul. Drumherum kopfsteingepflasterte Gassen mit manch restaurierten, zum Teil auch verfallenen Holzhäusern, authentischen Straßenmärkten...
...und auf einem Hügel die Moschee mit traumhaftem, obwohl heute nicht besonders farbenfrohem Panoramablick.
Am Bosporus entlang geht es zunächst zurück zum Hotel, nicht ohne noch einen kurzen Blick auf den Dolmabahce Palace zu werfen.
Abends zieht's mich ein weiteres Mal an den Bosporus, eigentlich nur um mir ein bisschen die Beine zu vertreten, doch im alten Hafenviertel in Karaköy lockt ein kaltes Bier.
Beim Frühstück am nächsten Morgen ist doch tatsächlich ein ganz kleines Stück blauer Himmel und für einen Moment sogar die Sonne über dem Bosporus zu sehen. Ich werfe erstmals einen Schatten in Istanbul, wenn auch nur beim Verzehr eines Omelettes. Achtung, Spoiler: Es wird der einzige Schatten an diesem Tag bleiben.
Nur etwa 10 Minuten den Hang hinunter liegt der Fähranleger Kabataş. Werfen wir doch kurz mal einen Blick hinauf zum Hotel.
Bei 13°C lande ich mit der Fähre in Kadiköy an und betrete asiatischen Boden. Zuerst geht's ein paar Schritte die Uferpromenade mit Blick auf das Marmarameer entlang...
... anschließend ein bisschen durch den Ort...
...weiter erst mit der Metro und dann zu Fuß am Wasser nach Kuzguncuk, einem beschaulichen Viertel mit bunten Holzhäusern, kleinen Läden und Cafés, das - gelegen an einem Hügel - die Unaufgeregtheit eines Dorfes und einen großartigen Blick auf den Bosporus bietet.
Nachdem ich mich im Hotel aufgewärmt und in der Nähe des Taksim-Platzes was gegessen habe, steht ein abendlicher Bummel rund um den Galataturm an.
Der letzte volle Tag startet mit 12°C "nur" kalt, entwickelt sich ab dem frühen Nachmittag aber zu einem nass-kalten Tag. Mal wieder richtig usselig. Auf nach Balat und Fener, zwei historischen Vierteln am Goldenen Horn.
Irgendwie hab ich das Gefühl, ich werde krank. Ab ins Hotel und einfach mal zwei Stunden Ruhe. Jetzt geht's wieder. Schnell 49 Euro in ein Online-Ticket investiert, warm eingemummelt und den Schirm aufgespannt. Ziel am späten Nachmittag ist der Versunkene Palast, die Cisterna Basilica. Achtung, Bildungsangebot: Die unterirdische Zisterne gegenüber der Hagia Sophia wurde vor ungefähr 1500 Jahren unter dem byzantinischen Kaiser Justinian I. erbaut und konnte mit seinen etwa 140 m Länge und 70 m Breite bis zu 80000 Kubikmeter Wasser speichern. Ein Teil der 336 Marmorsäulen wurde von älteren antiken Bauwerken wiederverwendet, so u.a. die Medusa-Köpfe, die als Basis zweier Säulen dienen und von einem früheren römischen Bau stammen könnten. Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk.
Anschließend lockt nochmal die nun erleuchtete Blaue Moschee.
So, ich muss was essen und noch Bier holen. 20:30 Uhr sitze ich mit Ebendiesem im Bett, nicht ahnend, dass der Abreisetag mit einer bodenlosen meteorologischen Frechheit startet. Beim morgendlichen Blick aus dem Zimmerfenster und während des Frühstücks präsentiert sich Istanbul bei weitestgehend blauem Himmel und immer wieder sonnig.
Ich breche zu einem finalen Bummel zur Galatabrücke auf um einfach ein bisschen die zahlreichen Angler zu beobachten. Der blaue Himmel ist dafür allerdings doch noch ein letztes Mal hinter grauen Wolken verschwunden, aus denen vereinzelt Regentropfen fallen. Natürlich.
Übrigens, punktgenau zur bevorstehenden Abreise - da sind sich alle Prognosen ziemlich einig - schlägt in Istanbul das Wetter um. Von windig, kühl und regnerisch zu sonnig, mild und angenehm. In den Fenstern des Abflugterminals bricht sich das warme Licht der untergehenden Sonne.
Tja, und was ist nun mein Fazit?
Bei Licht und in Farbe kann Istanbul glaube ich gefallen. Doch über diese Reise hat sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Grauschleier gelegt. Über die Stadt und über meine Stimmung. Vielleicht gebe ich ihr irgendwann nochmal eine zweite Chance, für dieses kack Wetter kann die Stadt ja schließlich nix. Passenderweise in schwarz-weiß gibt's hier ein paar letzte Istanbul-Impressionen.




















































































