Samstag, 22. Juli 2023

89| Ich kaufe ein a

Schon zum dritten Mal in relativ kurzer Zeit führte mich eine Reise nach Polen, diesmal nach Krakau. Krakau liegt im Süden des Landes direkt unter dem in ganz Europa einzigen orangen Fleck des Regenradars.


Dies galt gottseidank nur für den zweiten Tag meines Aufenthaltes, Costa hat's gefreut.


Am Tag meiner Ankunft war es brüllend heiß, am dritten und vierten Tag war dann ganz angenehmes Wetter bei etwa 25 °C. Mein Hotel lag nur einmal über die Straße von der Weichsel und ein paar Minuten zu Fuß von der Burg Wawel, die über Jahrhunderte Residenz der polnischen Könige war, und von der Altstadt mit dem Rynek Glowny, einem riesigen Marktplatz aus dem 13. Jahrhundert, entfernt.


Unbedingt sehenswert ist zudem das südlich der Altstadt gelegene ehemalige jüdische Viertel Kazimierz. Obwohl die deutsche Besatzung auch für die Krakauer Juden verheerende Folgen hatte, ist der Stadtteil nur wenig zerstört worden. So blieben hier noch recht viele Spuren der jüdischen Vergangenheit erhalten, heute gemischt mit zahlreichen Restaurants, Cafes und Bars.


Bekanntheit erlangte die Geschichte der Krakauer Juden nicht zuletzt durch den Film "Schindlers Liste", der zu großen Teilen an authentischen Schauplätzen in Krakau gedreht wurde, wie der Emaille-Fabrik Oskar Schindlers oder einem Hinterhof in Kazimierz.


Ein spannender lost place ist der stillgelegte Steinbruch Libana südöstlich von Kazimierz, in dem Kulissen des Films vor sich hin rotten, die dort errichtet wurden zur Nachbildung des nicht mehr erhaltenen Arbeitslagers Plaszow inklusive der ins Lager führenden, mit jüdischen Grabsteinen gepflasterten Straße.


Auch wenn diese Grabsteine Nachbildungen aus Beton sind, beschleicht einen ein düsteres Gefühl.

Weniger düster war meine Wanderung am nächsten Tag, die mich u.a. wieder durch einen alten Steinbruch führte, heute der Park Zakrzowek südwestlich der Altstadt.


Wunderbare Aussichten auf den kristallklaren See boten sich nahezu an jeder Stelle. Hätte ich zudem gewusst, dass man darin schwimmen kann, hätte ich doch glatt meine Schwimmflügel mitgenommen. So blieb's bei einer herrlichen Rundwanderung.


Weiter führte mich mein Weg zum westlich gelegenen Kosciuszko-Hügel, einem von vier künstlich aufgeschütteten Hügeln in Krakau. Dieser wurde zu Ehren des polnischen Nationalhelden Tadeusz Kosciuszko - wer kennt ihn nicht - erbaut. Später wurde darum noch die Kosciuszko-Zitadelle errichtet. Zutritt erlangt man allerdings nur durch ein pottenlangweiliges Museum und so wahnsinnig spektakulär ist die Aussicht vom 34 m hohen Hügel dann auch nicht.


Später am Tag machte ich einen kurzen Abstecher mit der Straßenbahn zum Park Lotnikow mit der angrenzenden Tauron-Arena ganz im Osten der Stadt. Kann man im Prinzip aber auch lassen.


Am letzten Tag - ein bisschen erschöpft und mit amtlichem Sonnenbrand im Nacken und in den Kniekehlen - bin ich immer auf der Suche nach Schatten einfach nur noch ganz entspannt umhergeschlendert, und da bietet sich insbesondere der die gesamte Altstadt umschließende Grünzug Planty Park an.


Krakau hat mich nicht ganz so in seinen Bann ziehen können wie Breslau, vielleicht lag's am Wetter oder am nicht ganz so tollen Hotel. Wie auch immer, schöne und interessante Ecken findet man auch hier allemal. Zurück ging's am nächsten Tag über Frankfurt nach Hause.


Nach einem nur kurzen Boxenstopp mit Brauerei-Besuch ging's schon wieder weiter, nicht mit Lufthans, sondern mit der Bahn. Zunächst nach Hanau und von dort mit persönlichem Abholservice nach Gründau. Grund war nicht in erster Linie die ortsansässige Bäckerei Kirschner, sondern ein schon lange fälliger Besuch bei Freunden aus Pekinger Zeiten.


Bei sauer gespritztem Ebbelwoi und Schnitzel mit Frankfurter Grüner Soße (und abendlichem Gin Tonic) gab's dann auch viel zu babbeln, wie wir Hessen so sagen. Und ich nehme einen interessanten Einrichtungs-Vorschlag aus einem rundum gemütlichen hessischen Garten-Lokal mit.


Zweites Highlight war der Besuch in Pfaffenhausen nahe der hessisch-bayerischen Grenze auf der zünftigen Pfaffehäiser Kier (... oder Ker oder Kirmes ;-) )


Drittes Highlight war am Abreisetag der Besuch des "The East" in Hanau, einem Restaurant mit super leckeren asiatischen Gerichten.


Hier nur eine winzige Auswahl der Köstlichkeiten. Schmackofatz. 
Und mit dicker Plauze ging's anschließend per Bahn über Nürnberg nach Fürth, wo ebenfalls ein persönlicher Abholservice auf mich wartete. Ein weiterer Besuch bei Freunden aus Pekinger Zeiten. Neben viel Lachen, Reden und Trinken konnte ich auch einen halben Tag ein bisschen Nürnberg erkunden. Echt ganz hübsch.


Pünktlich brachte mich die Bahn zwei Tage später nach Hause. Und nur einen Stopover später saß ich abermals in der Bahn auf dem Weg in den Berliner Speckgürtel.


Hier auf abendlicher Löwensafari in der Brandenburger Savanne nach einer großen und leckeren Portion Königsberger Klopse. 
Am nächsten Morgen ging es weiter zu einer Familienfeier nach Sachsen, zu deren Programmpunkten neben ausgiebigem Tortenverzehr auch eine Schifffahrt auf der Mulde zählte.


Nach wiederum nur kurzem Boxenstopp ging es mit der Bahn nach Düsseldorf. Meine bisher einzige Düsseldorf-Erfahrung war vor einigen Jahren ein kurzes Vorstellungsgespräch in der Lobby eines piekfeinen Hotels in der ebenso piekfeinen Kö. Naja, nun mal ein paar Tage Düsseldorf privat.
Serviervorschlag:


Gottseidank gab es auch immer mal wieder Wolkenlücken und sogar vereinzelt Sonnenschein.


Mir war vorher übrigens nicht bekannt, dass in Düsseldorf die größte japanische Community Deutschlands und die drittgrößte Europas beheimatet ist.


In Little Tokyo rund um die Immermannstraße reiht sich ein japanisches Restaurant und mancher japanische Supermarkt sowie andere Geschäfte aneinander.


Bisschen ab vom Schuss in Düsseldorf Niederkassel befindet sich zudem das EKO-Haus der japanischen Kultur mit japanischem Garten und buddhistischem Tempel.


Am letzten Abend zurückgekehrt ins Hotel bot sich mir dann noch folgender Blick auf die endgültig abziehenden Regenwolken, bevor am Tage meiner Abreise wieder der Sommer in Düsseldorf einkehren sollte.


In Berlin, spontan gebucht um mich dort mit Freunden zu treffen, war wiederum Sommer reichlich vorhanden.




Samstag, 25. März 2023

88| Die polnische Kaderschmiede

Dezember 2022 - Rostock / Warnemünde. Immer gut für eine erholsame Auszeit.

Dezember 2022 - Die Deutsche Bahn. Immer gut für eine abenteuerliche Reise.

Auf dem Gegengleis zu sehen ist nicht etwa die pünktliche Regionalbahn nach Posemuckelsdorf, sondern die Lok, die meinen Zug bis hierhin im mecklenburgischen Nirgendwo zog. Vermutlich irgendwo hier hatte sich wohl ein auf's Gleis gewehter Schnürsenkel ganz blöd in der Schiene verheddert. Dies oder was auch immer hatte jedenfalls 85 Minuten Verspätung mit Reparatur auf freier Strecke und anschließendes Umhängen der Lok (siehe oben) zur Folge. Thank you for waiting with Deutsche Bahn.

Sommer '89 - Szczecin. Immer gut für eine feucht-fröhliche Abifahrt.

Untergebracht waren wir damals stilecht in einer Parteischule, Kaderschmiede der polnischen Vereinigten Arbeiterpartei. Eingereiht standen wir in der langen Schlange Gleichgesinnter, die im benachbarten Supermarkt Wodka und Pepsi-Cola erstehen wollten. Was dann in der Kaderschmiede passierte, bleibt für immer in der Kaderschmiede.

Januar 2023 - Über 30 Jahre, eine Wende und einen Herzinfarkt später war ich nun wieder in Polen. Von der Stadt Warschau hatte ich mir nicht viel versprochen. Grund für diese Reise war eher das Hotel, das ich mit einer satten Ermäßigung geschossen hatte, und das ein schönes Schwimmbad, einen relativ gut ausgestatteten Fitnessbereich und ein sehr gutes Frühstück anbietet. Da gab's wirklich nichts zu meckern. Insgesamt hat mich das Hotel jedoch nicht so vom Hocker gerissen, auch wenn's einen deutlich gehobeneren Standard als eine Parteischule bot.

Hätte ich zudem gewusst, dass zu meinem Zimmer ein separates Büro gehören wird, hätte ich mir glatt was zum Arbeiten mitgenommen. Bisschen Ablage machen.

Nun ist der Januar sicher nicht die beste Reisezeit für Warschau. Ein Spaziergang entlang der Weichsel ist bei sommerlichen Temperaturen wohl empfehlenswerter als bei eisigem Wind. Die wiederaufgebaute Warschauer Altstadt, der aus stalinistischen Zeiten stammende Kulturpalast oder das Museum der Geschichte der polnischen Juden sind aber auch im Januar sehenswert. 


Die Geschichte der polnischen Juden ist zweifellos untrennbar mit dem Warschauer Ghetto verbunden. 


Nur noch wenige Spuren findet man im Stadtbild Warschaus. Stößt man auf solche, wie in der ul. Walicow, machen sie einen durchaus nachdenklich.


Der auf der rechten Weichselseite liegende Stadtteil Praga wird in Reiseführern als ursprünglich, lebendig, traditionell, authentisch oder atmosphärisch bezeichnet. Bei der Erkundung dieses Stadtteils sollte man die Hinterhöfe in Straßen wie Brzeska nicht auslassen. Diesem Rat bin ich gefolgt. Ich hatte in keiner noch so dunklen Gasse in Hanoi, Peking, Bangkok oder Yangon Angst. Hier hatte ich sie oder zumindest ein sehr beklemmendes Gefühl ob der in diesen Hinterhöfen herumlungernden Leute. Von anderen fühlte ich mich wiederum beobachtet und verfolgt. Strammen Schrittes verließ ich diesen Stadtteil. Und zwei Tage später auch die polnische Hauptstadt.


Um Ostern herum führt mich eine erneute Reise nach Polen - Wroclaw. Und wieder ist ein vergünstigtes Hotelangebot Grund für diese Entscheidung: top Lage im historischen Teil der Stadt, Fitnesscenter, modernes industrial Design, exzellentes Frühstück. Ich bin gespannt. Ob ich wohl wieder ein Büro haben werde? Im Vorfeld habe ich mich jedoch versichert, dass die viertgrößte polnische Stadt eine der schönsten und beliebtesten Städte Polens ist.

April 2023 - Kein Büro in Wroclaw.
Top Lage im historischen Teil der Stadt. checked.


Fitnesscenter. checked.


Modernes industrial Design. checked.


Exzellentes Frühstück. Sowas von checked.


Also das Hotel hat mich schon mal auf ganzer Linie überzeugt. Und dass Wroclaw als eine der schönsten und beliebtesten Städte Polens gilt, kann ich gut nachvollziehen. Wroclaws Lage auf 12 Inseln an der Oder, an und zwischen deren Nebenflüssen und mehreren Kanälen hat der Stadt den Namen "Venedig Polens" eingebracht. Nicht nur die Wasserläufe, sondern ebenso die Altstadt mit zahlreichen historischen Gebäuden, darunter unzählige Kirchen, laden zum Schlendern und Verweilen ein.


Wer Lust hat, kann in Wroclaw zudem auf Zwergenjagd gehen. Weit über 500 dieser etwa 30 cm großen Zwerge soll es mittlerweile im gesamten Stadtgebiet geben. Und wer es nicht so zwergenhaft mag, für den ist vielleicht die Skulptur "train to heaven" was - eine originale Reichsbahnlokomotive mit ungefähr 80 Tonnen Gewicht und über 20 Metern Länge. Wobei Höhe trifft's wohl besser.


Als hätt ich's geahnt, stellt dieser Gartenzwerg eine hervorragende Überleitung zu meinem Besuch im Ogrod Japonski, dem Japanischen Garten, her. Östlich der Innenstadt gelegen befindet er sich in unmittelbarer Nähe zur Jahrhunderthalle. Wenn man nun wie ich schon mal in Japonski war und dort den einen oder anderen Ogrod besucht hat, ist dieser in Wroclaw wahrlich nichts besonderes, aber bei voller Blüte oder im Herbst trotzdem ganz schön.


Na zdrowie und bis zum nächsten Mal, Wroclaw.


April 2023 - Frankfurt. Naja, nun hat man's mal gesehen.
Bisher kannte ich Frankfurt nämlich nur vom Flughafen oder vom Bahnhof. Jetzt bin ich mal ausgestiegen. Das Bahnhofsviertel - mir bislang nur von einschlägigen RTL2-Dokus bekannt - lässt in die tiefsten Abgründe menschlicher Existenz blicken. Frankfurt's Skyline für deutsche Städte so sicher einmalig, im Vergleich zu Hongkong, Shanghai oder Tokyo unspektakulär. Die Altstadt um den Römerberg auf jeden Fall schön gemacht, wenn auch kleiner als ich's mir vorgestellt habe.


Aber sonst!?
Gut, man kann die Innenstadt komplett entlang der Wallanlagen, einer ringförmigen Grünanlage, umrunden. Nordöstlich liegt etwas außerhalb der Bethmannpark mit dem wirklich schönen Garten des Himmlischen Friedens.


Und schön ist es auch die Stadt entlang des Mains auf der kilometerlangen Promenade zu verlassen.


Besuchern der Stadt sei gesagt, es gibt hier keine öffentlichen Klo's. Ich habe jedenfalls keine entdeckt. Wenn nicht die vereinzelt aufgestellten Dixi-Klo's die öffentlichen Toiletten sein sollen. Doch die sind meistens randvoll ... gut, lassen wir das. Als Mann findet man immer noch hier und da eine Alternative. Vielleicht stinkt's deswegen nicht nur im Bahnhofsviertel überall nach Pi...

Mai 2023 - Rostock / Warnemünde. Und damit schließt sich der Kreis.

Möwengeschrei und Fischbrötchen inclusive. Ach, und Broiler.

Upps.

So.