Donnerstag, 4. Juni 2020

83| Das wahre Abenteuer...

... beginnt vermutlich erst jetzt.
Mein Zwei-Jahres-Vertrag läuft Ende Juli 2020 aus. Obwohl ich nochmal alles in die Waagschale geworfen habe, ist aus verschiedenen Gründen eine Verlängerung um ein weiteres Jahr leider nicht möglich gewesen. Und so muss ich zusehen, wie ich zeitnah nach good old germany komme, denn schon Anfang August erwartet mich mein neuer, alter Arbeitgeber zum Dienstantritt. Eine romantische Rückfahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn und'nem Zwischenstopp am Baikalsee fällt somit schon mal flach.
Doch China hält aktuell auch an seinen Beschränkungen für internationale Flüge noch mindestens bis Anfang Oktober fest. Und das heißt, die seit März gültige "Fünf-Eins-Regel", die jeweils einer Fluggesellschaft einmal pro Woche einen Flug auf einer Strecke in ein Land erlaubt, gilt weiter. Konkret bedeutet dies, dass z.B. die Lufthansa pro Woche nur auf einer Strecke (im Moment ist Shanghai die Destination) nur einen Flug anbieten darf. Damit ist die Auswahl an Flügen in die andere Richtung natürlich entsprechend bescheiden. 


Peking als besonders geschützte Hauptstadt nimmt zudem noch eine Sonderstellung ein. Masche mancher Fluggesellschaften ist obendrein, auf ihren Seiten Tickets für Flüge zu verkaufen, die von chinesischer Seite gar nicht genehmigt sind. 
Dass ich  - wie ursprünglich mal geplant - Anfang Juli ganz entspannt in einen Flieger nach Deutschland steige, kann ich gegenwärtig wohl knicken.

Am 30.05.2020 startete indessen die "Luftbrücke umgekehrt" mit einem ersten Charterflug von Deutschland nach China - ausklamüsert von der deutschen Handelskammer in Kooperation mit der Deutschen Botschaft in Peking und chinesischen Behörden. An Bord 200 Manager, Führungskräfte und andere Wirtschaftsvertreter sowie ihre Angehörigen. Dass nun blöderweise gleich bei diesem ersten Sonderflug ein Passagier positiv auf das Coronavirus getestet wurde, lässt eher skeptisch auf weitere solcher Sonderflüge blicken. Der zweite in Frankfurt gestartete Charterflug ist aber planmäßig am 04.06. in Shanghai gelandet. "Gestrandete Manager nach China zurückgekehrt" - berichtet Spiegel.de wie von einer Rettungsaktion für gestrandete Buckelwale. 
Ausschließlich wirtschaftliche Interessen stehen hinter diesen Sonderflügen. Und mehr als 2000 weitere Wirtschaftsvertreter sollen an einer solchen Luftbrücke interessiert sein. Doch was ist mit denen, die nach Deutschland zurückkehren wollen bzw. müssen?
Wir ausreisewilligen Kollegen haben uns deshalb an die Deutsche Botschaft in Peking gewandt mit der Bitte um Unterstützung, wie auch immer die letztlich aussehen könnte. Vielleicht holt uns Heiko Maas hier raus, wie damals im April die auf der ganzen Welt gestrandeten Urlauber. Oder AKK kommt mit'ner Transall vorbei, falls eine einsatzbereite Maschine zur Hand ist. 
Mein Mietvertrag läuft jedenfalls zum 30.Juni, mein Visum in der zweiten Augusthälfte aus. Und was ist, wenn ich tatsächlich irgendwann in Deutschland aufschlage? Ich habe keine Wohnung, kein Auto und so gut wie keine Möbel, nur ein bisschen Krimskrams. Nach aktuellem Stand werde ich mich nach Ankunft an meinem Zielort ohnehin erstmal in eine 14-tägige Quarantäne begeben müssen. 
Sommer 2020 - brauch' den jemand oder kann der weg? 

Freitag, der 05.06.: Heute konnte ich einen Großteil meiner Arbeits- und Büromaterialien - immerhin zwei IKEA-Taschen voll - einer Kollegin in den Flur stellen. Noch im Juni soll ihr Container gepackt und auf die Reise über die Weltmeere geschickt werden, und wenn alles gut geht, Mitte - Ende August in Deutschland ankommen. Puuh, ein Problem weniger. Postpakete von China nach Deutschland zu schicken, ist ungleich komplizierter und kostspieliger als andersherum. Eines werde ich vielleicht trotzdem noch einem berittenen Boten der China Post mitgeben.


Übergepäck auf Flügen ist schweineteuer und unter den gegenwärtigen Bedingungen möglicherweise auch gar nicht drin. 

Montag, der 08.06.: Gestern 36°C, heute 37°C - nein, nicht bei einer der zahllosen Körpertemperaturmessungen, die man hier immer noch über sich ergehen lassen muss. Das sind Pekings frühsommerliche Temperaturen. Bei mir im Fitnessstudio darf man wenigstens wieder duschen, der Pool soll auch bald wieder - wenn auch nur an zwei Tagen in der Woche - öffnen. An der Rückreise-Front nix neues. 

Donnerstag, der 11.06.: Ein kleiner Silberstreif am Horizont. Zwar nicht hervorgerufen durch Flugzeuge internationaler Fluggesellschaften; da ist nachwievor dunkeltuten angesagt. Auch nicht wirklich von chinesischen Fluggesellschaften. Die fliegen zwar Europa etwas regelmäßiger an (Deutschland lediglich einmal die Woche von Shanghai aus), aufgrund ihrer momentanen quasi Monopolstellung rufen sie aber Ticketpreise auf, bei denen man sich schon fragt: "Buche ich einen Flug oder kaufe ich ein Flugzeug?" Haustierbesitzer unter den Kollegen berichten zudem von Kosten für ihren Hund oder ihre Katze von bis zu 10000 Euro pro Tier. Zerschlagen hat sich seit heute auch die Hoffnung, dass Heiko oder Annegret uns holen kommen. Aber ein wenig hoffnungsvoll stimmt eine Nachricht, die uns ebenfalls heute über die Deutsche Botschaft in Peking erreichte. Im Juli sollen drei weitere Charterflüge für Wirtschaftsvertreter von Deutschland nach China stattfinden. Diese werden aber nicht - wie die letzten Male - leer zurückfliegen, sondern wir können uns auf eine Warteliste setzen lassen. Die Flüge gehen zwar leider nicht ab Peking, sondern von Qingdao, aber so wäre vielleicht noch eine Tsingtao-Brauereibesichtigung drin. Sehr viele Fragen bleiben für's erste ungeklärt, mein Stress-Level steigt von Tag zu Tag, aber immerhin ein kleiner Silberstreif am Horizont. 

Freitag, der 12.06.: Nach heutiger Info laufen anscheinend erst Verhandlungen mit chinesischen Behörden um auf den Rückflügen Passagiere nach Deutschland mitnehmen zu dürfen: "Hierdurch ergäbe sich im Erfolgsfall eventuell eine Möglichkeit für eine Rückreise nach Deutschland." 
Eine Terminauswahl kann jedoch nicht getroffen werden. Weder die finalen Kosten, noch die erforderlichen Voraussetzungen um einen solchen Flug antreten zu dürfen sind geklärt. Ebenso gibt es zur Zeit keine Angaben zur Gepäckregelung und zur Verpflegung. Trotzdem habe ich mich heute für die Warteliste registrieren lassen. 2 Wochen vorher soll bekannt gegeben werden, ob überhaupt ein Flug stattfindet und ob man auf der Passagierliste steht. Tja, das ist ein bisschen wie an der Losbude auf dem Rückreiserummel. Ich werde parallel dazu weiterhin die Flugpläne zahlreicher Airlines und die Regelungen im internationalen Flugverkehr im Auge behalten. 

Samstag, der 13.06.: Seit Donnerstag gibt es eine Handvoll neuer Infektionsfälle in Peking. Ursprung ist ein Großmarkt im Südwesten der Stadt. Mittlerweile sind 45 Personen positiv auf das Virus getestet, Tausende aus dem Umfeld des Marktes sollen noch getestet werden.
Mehrere Wohngebiete sind daraufhin abgeriegelt, mehrere Schulen und Kindergärten geschlossen worden. Auch meine Arbeitsstelle ist in geringem Ausmaß betroffen. Und in meinem Fitnessstudio ist nun wieder Duschen verboten. Für den ohnehin massiv eingeschränkten Flugbetrieb werden die aktuellen Entwicklungen bestimmt auch nicht förderlich sein. Geht womöglich alles von vorne los? 

Sonntag, der 14.06.: Heute habe ich mich weder mit der Suche nach Flügen, noch mit der Wohnungssuche beschäftigt. Bringt ja eh nix. Stattdessen gab's grad im Wagas Käffchen und Cheesecake. Die haben in ihrer Playlist tatsächlich immer noch Weihnachtslieder, während draußen die Sonne bei 35°C erbarmungslos vom Himmel knallt. Und im Laufe der Woche steigt das Thermometer weiter auf 38°C. Hallelujah. 

Dienstag, der 16.06.: Während in Deutschland endlich die Corona-Warn-App an den Start geht, steigt in Peking die Zahl der Neu-Infektionen derweil auf über 100. Weitere Märkte und Wohnviertel wurden daraufhin abgeriegelt, zehntausende Personen am Wochenende getestet. Erste Köpfe vermeintlich Verantwortlicher mussten rollen. Und in einigen Provinzen Chinas sind Reisewarnungen für Peking ausgesprochen worden, aber ich will ja raus.
Die FAZ nimmt Bezug auf die parteinahe chinesische Zeitung "Global Times", die sich zwar dafür ausspricht, die Sonderregelung für die drei für Juli geplanten Charterflüge aus Deutschland aufrechtzuerhalten. Macht auch Sinn, sind die aktuellen Fälle immerhin nicht importiert:


Doch allein, dass ein solcher Zusammenhang hergestellt wird, stimmt irgendwie wenig optimistisch. Naja, den Blick in die Zukunft kann man erstmal vergessen, der Blick aus dem Fenster ist (manchmal) besser.


Mittwoch, der 17.06.: Samstag fragte ich mich noch, ob alles wieder von vorn beginnt. Das war eigentlich eher rhetorisch in die Weite des Alls hinaus gefragt. Heute morgen gab's die Antwort, nicht rhetorisch, sondern ganz real: Ja. Bis auf weiteres ist unsere Arbeitsstelle wieder geschlossen. Für ganz Peking ist die zweithöchste Sicherheitsstufe ausgerufen worden. Das hat eine teilweise Abriegelung der Hauptstadt zur Folge, Flüge von und nach Peking wurden deutlich reduziert. Einwohner aus "Hochrisikogebieten" dürfen die Stadt ohnehin nicht mehr verlassen, alle anderen müssen einen aktuellen Nukleinsäuretest vorweisen, wenn sie aus Peking heraus wollen.
Ein Ende mit Schrecken entwickelt sich zusehends zum Schrecken ohne Ende.

Donnerstag, der 18.06.: Zu allem Übel sind nun wieder zahlreiche VPN-Verbindungen blockiert. Informationsbeschaffung über und Berichterstattung aus Peking unerwünscht?

Freitag, der 19.06.: Heute kam die Info, dass einerseits unsere Registrierung für mögliche Charterflüge von China nach Deutschland erfolgreich war, dass andererseits der erste der drei für Juli geplanten Flüge schon mal nicht stattfindet aufgrund der ungeklärten aktuellen Quarantäne-Regelungen bei Inlandsreisen in China. Kapazitäten bei den anderen geplanten Flügen seien aber durchaus vorhanden. Voraussichtlich kommende Woche wird es weitere Informationen geben. Das werden dann auch die letzten Tage in meiner Wohnung sein. Ab dem 30.06. gehe ich auf unbestimmte Zeit ins Hotel, wenn dieses denn überhaupt Buchungen von Ausländern akzeptiert.

Sonntag, der 21.06.: Als interessante Alternative zu Flugzeugen am Himmel ist heute eine partielle Sonnenfinsternis über Peking zu beobachten. Bei einer Dauer von etwa zweieinhalb Stunden hat die Verdunklung ihr Maximum um 15:50 Uhr erreicht.


Montag, der 22.06.: Heute in einer Woche ziehe ich um. Das Hotel - nur wenge hundert Meter von meiner jetzigen Wohnung entfernt - hat meine Buchung für zunächst eine Woche bestätigt. Mal schauen, wie lange ich dort verweile. Plan A ist weiterhin, auf einen der Charterflüge nach Frankfurt zu hoffen. Plan B ist, einen maßlos überteuerten Air-China-Flug nach Kopenhagen, Stockholm oder Wien zu ergattern und mich von dort auf dem Luft-oder Landweg zum finalen Ziel durchzuschlagen. Doch gerade in diesem Moment erreicht mich - wie so oft in letzter Zeit - eine Nachricht aus dem Kollegenkreis, nach der mal wieder Flüge storniert oder ausgesetzt wurden. Betroffen dieses Mal die Air-China-Flüge von Peking nach Wien.
Das alles mag - vor allem im fernen Deutschland - abenteuerlich und spannend klingen, und lange habe ich diese Gegebenheiten als Lebenserfahrung für mich angenommen. Doch mehr und mehr schwinden nicht nur meine Gin-Reserven, sondern auch meine mentalen und körperlichen Kräfte und dieser Blog wandelt sich zum Tagebuch eines Albtraums.

Mittwoch, der 24.06.: Heute nun war die offizielle Verabschiedung derer, die Peking (wann auch immer) verlassen werden. Ich gehe mit wahrlich mehr als einem weinenden Auge, habe ich hier doch die Erfahrungen meines Lebens gemacht und großartige Menschen kennengelernt. Eine, wie ich finde, schöne Tradition ist, jedem scheidenden Kollegen einen persönlichen chinesischen Sinnspruch mitzugeben.


Das ist meiner. Die sicher etwas freiere, vor allem aber poetischere Interpretation meines Spruches ist auf jeden Fall schöner als die reine Übersetzung durch meine Translator-App: "reden, lachen, phoenixen."
Und in den nächsten Tagen geht's beim reden und lachen und phoenixen weiter mit einem Abschied auf Raten.

Freitag, der 26.06.: Tja, diese Woche gab's keine weiteren News mehr zu Plan A. Dafür eine inoffizielle Kollegen-Verabschiedung am Chaoyang-Park-See mit Dosenbier, Gin Tonic und einfach tollen Menschen.


Sonntag, der 28.06.: Unser vermutlich letzter gemeinsamer Ausflug neigt sich dem Ende zu. Nach gut anderthalb Stunden Busfahrt zum Mt. Yunmengshan standen wir allerdings vor verschlossenen Toren. Geschlossen wegen Corona. Nach längerem Hin und Her machten wir Halt am Yanqi See im Nordosten der Stadt. Wahrlich nix spektakuläres, aber eben auch nur 2. Wahl.


Zum Abschluss gab's Cappuccino im Sunrise Kempinski.


Ein Hotel, geformt wie ein Diskus am Ufer des Sees. Nach zwei Temperaturmessungen und Scannen zweier Gesundheits- und Tracking-Apps konnten wir die Hotel-Lobby betreten.


Und morgen biege ich dann ein auf die Zielgerade. Ich hoffe, sie wird nicht all zu lang.


Mittwoch, 20. Mai 2020

82| Die Farbe der Hoffnung

Am Montag, den 18.05.2020, hätte ich eigentlich wieder'n Stündchen in Seoul arbeiten sollen. Das wäre eine sehr willkommene Abwechslung gewesen. Stattdessen Woche 14 im Home-Office. Es sieht aber so aus, als könnte Anfang Juni wieder ein Hauch von Normalität durch unsere Arbeitsstelle wehen. Eine Dienstbesprechung in wenigen Tagen hätte etwas Licht ins Dunkel bringen sollen. Diese Dienstbesprechung muss jedoch verschoben werden, da es seitens der lokalen Behörden bisher keine konkreten Informationen gibt. Eine Rückkehr zur politischen Normalität in China läutet indes der am Freitag beginnende Volkskongress ein. Allemal soll das Spektakel mit seinen rund 3000 Abgeordneten signalisieren:


An vielen Straßenkreuzungen stehen nun wieder die Herren in schwarz unter ihren roten Sonnenschirmen und in den U-Bahn-Stationen Uniformierte im Stillgestanden hinter rotem Absperrband - in Corona-Zeiten teilweise auch hinter Glas. Sieht ein bisschen aus wie bei Madame Tussauds. Wär witzig, wenn sie dort überall Prinz Harry aufstellen würden. Immerhin war der doch auch mal in'ner Uniform unterwegs.
Wie obiges Bild erahnen lässt, bietet die einigermaßen freie Zeiteinteilung während des Home-Office durchaus mal Freiraum für Quatsch. Oder für Entschleunigung. So habe ich vor kurzem mal wieder die Unmengen an Bildern (um die 2000) durchgeforstet, die in den letzten Monaten entstanden sind.
Ein paar von ihnen habe ich hier - auch ein klein bisschen nachbearbeitet - unter der Rubrik "black & color" zusammengestellt.

black & green in Beijing:


black & blue in Guangzhou:


black & bronze in Bangkok:


black & yellow in Siem Reap:


black & green in Taipei:


black & orange in Beijing:


black & blue in Taipei:


black & blue in Beijing:


black & maroon in Beijing:


black & purple in Taipei:


black & gold in the air:


black & violet in Beijing:


Als ich heute morgen, am Samstag, den 23.05.2020, um kurz vor 7 mal vorsichtig durch den Vorhang geluschert hab, entschied ich mich trotz zahlreicher abzuarbeitender E-Mails für einen spontanen Ausflug. Das Wetter und die Luftwerte waren einfach zu verlockend. Also, auf nach Kopenhagen. Für eine ausgiebige Radtour. Naja, eigentlich ging's nochmal an den Kaiserkanal. Aber angefühlt hat sich's wie Kopenhagen.


Heutiges Ziel war der Grand Canal Forest Park, südöstlich vom Tongzhou Canal Park, der sich über eine Länge von gut 8 Kilometern auf beiden Seiten des Kaiserkanals erstreckt.


Selbst in manchen U-Bahn-Stationen wird für dieses schöne Fleckchen Erde geworben.


Hübsch. Mein Bild gefällt mir trotzdem besser.


Der 2013 eröffnete riesige Park lässt sich perfekt mit dem Rad erkunden und bietet neben vielfältiger Vegetation und natürlich dem Kanal auch schattige Picknick- und Campingbereiche, bisschen Kunst, Bootstouren, einen Rummel. Und an jeder Ecke bietet sich einem ein neuer toller Blick:


Ebenfalls sehr schön sind die mit Schilf bewachsenen wetlands auf beiden Seiten des Kanals.


Am Ende meiner Radtour angelangt, ließ der Blick in den Himmel nichts Gutes erahnen...


...und zur nächstgelegenen U-Bahn-Station war es noch ein Stück.
Mir blieb nichts anderes übrig, als die Rückfahrt für eine ganze Weile zu unterbrechen und mich einer sozialistischen Wartegemeinschaft anzuschließen.


Relativ trockenen Fußes erreichte ich schließlich die U-Bahn-Station und warf einen letzten Blick zurück auf das abziehende Unwetter.


Mit fettem Sonnenbrand, aber sehr zufrieden war ich gegen 16:00 Uhr wieder zurück in meinem Home-Office.

Mittwoch, der 27.05.2020: Heute nun hat die verschobene Dienstbesprechung stattgefunden. Am kommenden Dienstag soll - nach dann 15 Wochen - das weitgehende Ende der Home-Office-Phase eingeleitet werden. Was folgt, hat aber äußerst wenig mit normalem Arbeitsalltag zu tun. Die Rahmenbedingungen sind eher erschreckend als beruhigend - nicht zuletzt wegen der weit über 100 zu erfüllenden und kontrollierten Auflagen der lokalen Behörden. Der Ausblick auf das nahende lange Wochenende frustrierend. Eigentlich war ein zweitägiger Ausflug geplant. Zum Old Dragon's Head - dort, wo die Große Mauer ins Meer ragt.


Unter Auflagen zwar grundsätzlich möglich, doch zu groß die Unsicherheit, welche Konsequenzen es für uns haben könnte, wenn wir Pekings Stadtgrenzen überschreiten. Also alles wieder storniert.
Und der Ausblick auf den Sommer und die nahe Zukunft mehr düster als erhellend. Dazu bald mehr. Die Farbe der Hoffnung ist zur Zeit jedenfalls nicht grün.


Grün ist aber der Botanische Garten, den eine Kollegin und ich heute, am Samstag, den 30.05., besuchten. Nicht ganz spontan, mussten wir doch 24 Stunden vorher mit Übermittlung unserer Pass-Daten unser Kommen anmelden.
Gelegen im Nordwesten Pekings, unweit der Fragrant Hills, gilt er mit seinen für Besucher zugänglichen 200 ha und 10000 verschiedenen Pflanzenkategorien als der größte botanische Garten Nordchinas.


Am nördlichen Ende des Botanischen Gartens befindet sich der Wofo Si oder Tempel des Schlafenden Buddhas mit einer mehr als 1300-jährigen Geschichte. Die namensgebende 5 m lange bronzene Statue des schlafenden Buddhas von 1321 bekamen wir leider nicht zu Gesicht, da alle Gebäude geschlossen waren, trotzdem eine schöne und friedliche Tempelanlage.


Noch weiter nördlich schließt sich das Cherry Valley an, ein schmales Tal in den Bergen mit einem kleinen Bach. Zu Zeiten der Ming-Dynastie bepflanzt mit Kirschbäumen, daher der Name. Gepflückt haben viele Chinesen zwar auch irgendwas, waren aber keine Kirschen.


So, und während einen Tag zuvor zwei amerikanische Astronauten mit einem Tesla zu ihrer SpaceX-Rakete fuhren...


...fuhren wir zu Viert am Abend des 31.05. zum Essen bei Heidi Lau. Die betreibt aber nicht etwa'ne Wurstbude in Peking, sondern das Haidilao ist eine chinesische Hot-Pot-Restaurantkette. Kann man sich eigentlich vorstellen wie Fondue, wobei das Essen eher zur Nebensache wurde, waren wir doch im weltweit ersten smarten Hot-Pot-Restaurant: Tablets am Tisch, Video-Installationen an der Decke und an den Wänden, Roboter in der Küche, Roboter im Restaurant.


Dann aber doch auch Menschen: jede Menge Service-Personal, ein Nudel--Artist, ein Masken-Tänzer.


Ein Erlebnis allemal, aber lecker Bockwurst mit Senf und Kartoffelsalat an Heidi's Wurstbude wär auch nicht zu verachten.