Montag, 12. November 2018

34| Heiko M. ist schuld

... dass ich heute nicht den wichtigen Satz: "Vielen Dank, trotz ihres tollen Angebotes reichen mir 6 Brötchen." auf chinesisch lernen konnte.

In der Gerüchteküche brodelte es bereits seit dem frühen Morgen. Doch erst die WeChat-Nachricht einer Kollegin kurz vor 16 Uhr - wenige Minuten bevor unser Chinesisch-Unterricht beginnen sollte - brachte Gewissheit: "Einige werden heute später kommen. Wer will, kann noch nach draußen kommen um den AM zu begrüßen."
Zehn nach Vier entschied unsere Chinesisch-Lehrerin endgültig den heutigen Unterricht ausfallen zu lassen. All ihre Schüler und insbesondere Schülerinnen rannten aufgescheucht im Hause umher, als wollten die Backstreet Boys zu ihrem einzigen und letzten Weltkonzert in unserer Mensa auftreten.


Dabei war es nur Heiko M., der mit seiner Entourage für ein paar Minuten bei uns aufschlug um medienwirksam mit Basketbällen zu prallen und mit dem Maskottchen von Alba Berlin in deutsche Kameras zu lächeln um danach wieder Weltpolitik zu machen.


Was für ein aufregender Tag. Und was wird wohl der morgige Tag bringen?
Fällt morgen vielleicht ein Sack Reis um?
Hoffentlich kann ich überhaupt schlafen.

Ich konnte. Nun ist der heutige Tag auch fast schon wieder vorbei. Und was hat er gebracht?
Einen Luftqualitätsindex von um die 300. very unhealthy, an der Grenze zu hazardous.


Aber daran ist Heiko M. jetzt nicht schuld.


Samstag, 10. November 2018

33| Guess what it is

Nachdem am Freitag die Chefin meine Arbeit begutachtet und für ok befunden hat, steht dem erfolgreichen Absolvieren meiner sechsmonatigen Probezeit wohl nichts mehr entgegen.

Da ich dieses Wochenende tatsächlich mal nur wenig zu tun habe, stand heute ein Spaziergang in einem - wie sich herausstellte - unspektakulären Park, dem Olympic Forest Park an. Genauso, wie es bei Wikpedia geschrieben steht, fühlte es sich auch an: "Der Olympic Forest Park ist ein großer, von Menschenhand geschaffener Naturpark ...". Mit Betonung auf Menschenhand und weniger auf Natur.


Aber ich habe etwas gelernt, Chinesen fotografieren unheimlich gerne Herbstlaub und Schilf. Und das häufig. Und kreativ.
Da muss dann schon die kleine Ling mehrmals Laub in die Luft werfen, bis das perfekte Foto im Kasten ist.
Da wird auch gerne mal Oma Bao über einen Zaun gewuchtet um mit ihr ein letztes schönes Herbstfoto zu machen.
Da muss sich der kleine Pingpong für ein Foto dekorativ mit einer Gitarre ins Schilfgras stellen.
Jeder so wie er's mag.

Sonst ist auch nichts erwähnenswertes passiert. Dank der Zeitumstellung in Europa auf Normalzeit beträgt die Zeitverschiebung zwischen China und Deutschland nun 7 Stunden. Da, muss man sagen, sind die Chinesen deutlich fortschrittlicher. Die drehen nicht einfach sinnlos an der Uhr.

Weil ich nun schon mal meinen Laptop aufgeklappt und mich in mein VPN eingewählt habe, gibt's heute zum Abschluss einfach noch'n kleines Ratespiel.

Guess what it is:


Wer kennt diese Modemarke? Ja, ich starte gleich mit einer kniffligen Frage. Na? Wie heißt sie noch gleich die Marke mit dem Krokodil?
Genau, es ist Cartelo.



Und wie heißt die Sportmarke mit dem großen N? Auch keine leichte Frage. Aber kommt, das wird doch jemand wissen. Tipp: N steht für New. Und?
Richtig, New bunren.



Jetzt mal was für Technik-Kenner. Wer kennt dieses Hausgeräte-Label? Das ist nun aber nicht schwer. Ein bekanntes Traditionsunternehmen. Es ist?
Na klar, Bosht.



Und zum Schluss wird's nochmal sportlich. Diese Weltmarke kennt nun wirklich jeder. Also bitte. Wer kann auflösen?
Ja natürlich, es ist GRN Sports.


Halt, eine Bonus-Frage habe ich doch noch.
 

Auf diese, in Europa (noch, jedenfalls mir) unbekannte Automarke hatte mich einer meiner Besucher aufmerksam gemacht. Wie heißt denn wohl dieser flotte Flitzer?
A: Putinov
B: Trumpchi
C: Merkelwagen




Stimmt, es ist B.


2010 auf den chinesischen Markt gerollt, wollen die Trumpchinis 2019 u.a. auch den amerikanischen Markt erobern. Über eine Namensänderung wird nachgedacht.
Gute Idee.


Dienstag, 6. November 2018

32| wo mai shi ge xigua.

Ich kaufe zehn Melonen.

Hat'n bisschen was von Loriot: "Mein Name ist Lohse. Ich kaufe hier ein."

Mittlerweile können wir bis 999 zählen, Obst, Gemüse, Kekse, Allerlei kaufen, im Restaurant Peking-Ente, Reis, Saft und Bier, Besteck, ein paar Stäbchen und Servietten bestellen, nach dem Preis oder danach fragen, ob die Suppe scharf ist oder Koriander enthält.
Theoretisch.
Ich bin bisher nicht besonders fleißig im Vokabeln lernen.
Also, äh, ... ich habe bisher überhaupt noch keine Vokabeln gelernt. Keine Zeit.
Entweder mir fällt im richtigen Moment eine passende Vokabel ein oder ich lege mir voher einen Satz zurecht in der Hoffnung, ihn bis zum Supermarkt oder zum Restaurant nicht wieder zu vergessen.
Letztens konnte ich beim Einkaufen tatsächlich fließend sagen, dass ich 6 Brötchen haben möchte: "Wo yao liu ge mianbao". Die Verkäuferin gab mir einerseits zu verstehen, dass sie mich verstanden hatte, aber andererseits trotzdem 8 Brötchen. Schließlich gibt es dort Vier zum Preis von Drei. Und dass ein Kunde vier plus zwei Brötchen zum Preis von Fünf möchte, konnte sie so nicht hinnehmen. Naja, und "Vielen Dank, trotz ihres großzügigen Angebotes reichen mir 6 Brötchen." kriegen wir erst in einer der nächsten Chinesisch-Stunden.

Momentan bin ich durch die Arbeit ziemlich eingespannt,und auch die Stadt mit ihrem Lärm, dem chaotischen Verkehr und der in letzter Zeit häufig schlechten Luftqualität kostet einen viel Energie. Das Leben lebt sich hier deutlich intensiver. Das ist nachwievor eine wahnsinnig spannende Erfahrung, aber eben auch sehr kräftezehrend.
Trotzdem oder gerade deswegen habe ich meine Entscheidung bisher nicht bereut. Egal, welche Erfahrungen ich noch machen werde, sie werden mein Leben bereichern. Und sie werden mich verändern. Staubflusen auf dem Boden zum Beispiel. Na und.
Eine nicht parallel zum Spiegel ausgerichtete Badezimmermatte. Na und.
Nein, die richte ich momentan immer noch parallel zum Spiegel aus.
Ich arbeite an mir.

Und draußen wütet der Herbst. Die Bäume verlieren - wenn auch nicht immer ganz freiwillig, wie ich eines morgens beobachten konnte - ihre Blätter. Offensichtlich wieder ein mir bisher unbekannter Job: Der-mit-einer-langen-Stange-die-Blätter-von-den-Bäumen-Klopfer.
Der Herbst wütet allerdings nicht nur draußen, sondern auch in meiner Wohnung. Aufgrund der undichten Fenster und der Temperaturen, die nachts und morgens den Gefrierpunkt erreichen oder unterschreiten und auch tagsüber kaum noch die 15 Grad übersteigen, ist es langsam doch recht schattig in meiner Wohnung geworden und ich sitze nur noch mit dicken Socken und Fleece-Jacke zuhause. Die Heizperiode beginnt hier aber erst Mitte November. Allerdings hat es am Sonntag schon mal verheißungsvoll in den Heizungsrohren gegluckert.
Die Vorfreude auf Mitte November steigt.
Wie man mit undichten Fenstern pragmatisch umgehen kann, haben Kollegen gezeigt:
Problem: Es zieht durch's Küchenfenster.
Lösung: Küchenfenster mit dickem Klebeband abdichten.
So würde es jeder zur Hilfe gerufene chinesische Handwerker auch machen. Da ich aber nicht weiß, ob ich mein Wohnzimmer in den nächsten Monaten nicht auch mal lüften möchte, habe ich zunächst von einer solchen Lösung Abstand genommen.

Sanya im Süden Hainans hat tropisches Monsunklima mit ganzjährig warmen Temperaturen.


Ich habe mich durchgerungen vor der Woche in Hongkong doch noch für ein paar Tage einen Abstecher in das "Hawaii von China" zu machen. Am Strand relaxen, vom Balkon den 180°-Meerblick genießen oder einen Ausflug in den Yanoda-Regenwald machen.
Und wie sieht's mit meinem ökologischen Fußabdruck aus?
Peking 🛫 -Sanya 🛬, Sanya 🛫 - Peking 🛬, Peking 🛫 - Hong Kong 🛬, Hong Kong 🛫 - Peking 🛬.
Gut.
Ich habe hier kein Auto, ich nehme meist die U-Bahn oder ein Leihfahrrad oder gehe zu Fuß.

Zu Fuß nach Sanya wär aber unpraktisch. 
Laut Google Maps dauert's auf der besten Fußgänger-Route 26 Tage.
Keine Zeit.