Sonntag, 7. Oktober 2018

29| Perlen vor die Säue

Heute, am letzten Tag der Golden Week, wollte ich mal den Pearl Market erkunden. Ein Markt, in dem man - ja, auch Perlen - aber vor allem "Markenprodukte" günstig erstehen kann. Eine besondere Empfehlung mehrerer Kolleginnen.
So viel Cashmere, Seide, Stoffe, Uhren, Gucci-Taschen, Krawatten und Adidas-T-Shirts, wie mir binnen weniger Minuten feilgeboten wurden, hätte ich nicht tragen können. Dieses Bemühen der emsigen Verkäuferinnen konnte ich leider nicht würdigen und verließ nach einigen Minuten wieder die Markthalle.
Nur die Straße rüber befindet sich indes der Temple of Heaven Park. Da dacht ich mir: "Wennde schon mal da bist.".
Eine große Parkanlage im südlichen Peking, sehr einladend, mit vielen ruhigen und beschaulichen Ecken.


Highlight dieses Parks ist aber die namensgebende Himmelstempelanlage.
Jeder weiß natürlich, dass diese während der Ming-Dynastie im Jahre 1420 erbaut wurde, ein Symbol für die Beziehung zwischen Erde und Himmel ist und dem Kaiser als Opferaltar diente um für schönes Wetter und reiche Ernte zu beten.
Ich nutzte die Chance um für ein schnelles Verstreichen der Arbeitswochen bis Weihnachten zu beten.

Das wichtigste und schönste Gebäude der Anlage ist die kreisrunde Halle des Erntegebets.


Der Weg in der Mitte mit den großen Steinplatten in obigem Bild war übrigens ausschließlich dem Kaiser vorbehalten. Ich finde es angemessen, dass hunderte Jahre später ich dort entlang schreite. 😏
Wenn man sich jetzt auf obiger Fotoposition umdreht, schaut man zur ebenfalls runden Halle des Himmelsgewölbes, umgeben von der Echo Wall.


Ein wenig skurril mutete die Tatsache an, dass dort überall Chinesen die Mauer angeflüstert, angeschrien, angesungen oder angepfiffen haben um zu prüfen, ob sie ihr Echo hören können.
Südlich davon schließt sich der Circular Mound Altar an, ein ebenfalls runder, dreistufiger Marmor-Altar, der den Himmel, umgeben von einem viereckigen Platz, der die Erde repräsentiert.


Genau in der Mitte der oberen Terrasse befindet sich der Heaven's Heart Stone, ein runder Stein, der am Tage der Wintersonnenwende religiösen Zwecken diente. Heute hingegen dient er fotografischen Zwecken. Offensichtlich ein so beliebtes Motiv, dass sich eine lange Schlange davor bildet.


Achtung, es folgt ein bisschen Spaß mit Zahlen. 😱
Der Heaven's Heart Stone ist umgeben von 9 ringförmig angeordneten Steinen, die ihrerseits von 18 ringförmig angeordneten Steinen umgeben sind. Im dritten Ring sind es dementsprechend 27 Steine.
a) Wie viel Steine sind es im neunten und letzten Ring?
b) Wie viel Steine sind es auf der obersten Terasse insgesamt?

Die zweite und dritte Terrasse haben ebenfalls jeweils 9 Ringe.
Zu jeder Terrasse führen Treppen mit jeweils 9 Stufen.

Reicht, oder?

Nur ganz kurz, die Zahl 9 steht in China für Langlebigkeit und Männlichkeit und somit auch für den Kaiser, den Gesandten des Himmels. Und der Himmel hat wiederum 9 Sphären.

Wo wir gerade beim Gesandten des Himmels sind.
Ich wohne ja in der 29. Etage.
Stimmt gar nicht.
Da in China die 4 eine absolute Unglückszahl ist, und die 13 ebenso, gibt es im Aufzug keine Etage 4, 13, 14, 24 usw. Da das Erdgeschoss Etage 1 ist, wohne ich eigentlich in der .... na?

Ich schweife ab.
Im westlichen Teil des Temple of Heaven Parks befindet sich der Palast des Fastens, in den sich der Kaiser vor den Opferritualen zurückzog um dort 3 Tage lang abstinent zu leben.


Da fällt mir ein, ich muss noch ein Golden-Week-Abschluss-Bier kalt stellen.


Mittwoch, 3. Oktober 2018

28| Der frühe Vogel...

...kackt auf die Mauer.

5:30 Aufstehen. 7:00 Treffen zur Longquanyu Great Wall Tour zum Little West Lake mit den Beijing Hikers. Erstmal Starbuck's. Dann Busfahrt in die Berge nördlich von Beijing.
Gegen 10 Uhr haben wir unseren Startpunkt erreicht. Es geht über restaurierte und "wilde" Abschnitte der chinesischen Mauer mit zum Teil steilen Auf- und Abstiegen und fantastischen Panoramen, durch Kastanienplantagen zum Little West Lake, in den die Mauer hineintaucht.

Achtung, Bildungsauftrag: Gebaut wurde dieser Teil der chinesischen Mauer während der Ming-Dynastie. Ungefähr 7 Kilometer ist unsere Wanderstrecke lang, Dauer etwa 4 Stunden. 266 m geht's insgesamt aufwärts, 544 m abwärts. Und das alles bei blauem Himmel und 26 Grad. Mir 6 Grad zu warm.

Aber genug der Zahlen und Fakten. Ich lasse jetzt Bilder sprechen, auch wenn mir klar ist, dass Bilder selbst Erlebtes nur bedingt wiedergeben können. Ich versuche es trotzdem.

Eindrücke vom restaurierten Teilstück der Mauer:

 
 
 
 
 
 
 

Impressionen vom "wilden" Teil der Mauer:


Eindrücke vom Little West Lake: 
Schon schön anzusehen, aber die Umgebung war mal wieder touristisch ausgeschlachtet bis sonstwohin. 
Laut, bunt, grell, voller Menschen - absolutes Kontrastprogramm zur Stille zuvor und den vorangegangenen großartigen Eindrücken.

 

Seinen Abschluss fand dieser fantastische Ausflug in einem chinesischen Lokal, bevor es mit dem Bus auf einer gut zweistündigen Fahrt zurück an den Anfang ging.
Der frühe Vogel liegt schon wieder in seinem Nest und ich werde es ihm wohl bald gleichtun.


Dienstag, 2. Oktober 2018

27| Die Ruhe vor dem Sturm

Bevor morgen zu nachtschlafender Zeit zum Sturm auf, an und über die chinesische Mauer geblasen wird, waren gestern und heute die Ausflüge sehr entspannt.
Gestern ging es zunächst in eine abgeschiedene Dachwächter-Fabrik in den Bergen.
Da ich mit diesem Blog auch einen gewissen Bildungsauftrag übernommen habe: Weiß jeder, was Dachwächter sind? Bitte mal aufzeigen, wer es nicht weiß.
Ich wusste es jedenfalls vorher nicht. Dachwächter sind Keramik-Figuren, die auf den Dächern sitzen um das Gebäude zu schützen. Je mehr es sind, desto wichtiger ist das Gebäude. Maximal sind es neun Figuren, außer in der Verbotenen Stadt - dort sind es Zehn.


Anschließend ging es zum Essen beim Italiener ebenfalls in den Bergen. Ein Panorama ein bisschen wie in den Alpen.

 

Die letzte Etappe war dann ein Spaziergang auf einem Teilstück des insgesamt 7 Kilometer langen sogenannten Seelenwegs, einem Weg, der zu den Ming-Gräbern führt und an dessen Seiten Skulpturen von Tieren, Menschen und Fabelwesen stehen.


Heute stand ein Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein und 24 Grad im Beihai-Park nordwestlich der Verbotenen Stadt an. Da momentan die Golden Week ist, war es auch gut voll. Wenn man sich allerdings in Erinnerung ruft, dass Peking 20 Millionen Einwohner hat, war es dann doch halb so wild.

Verschiedenste Tempelanlagen, der Beihai-See, die weiße Pagode - zu Ehren des 5. Dalai Lama erbaut - auf der Insel der Jadenen Blüten, die Neun-Drachen-Mauer sind wohl die wichtigsten Highlights des über 1000 Jahre alten Parks. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass sich bei mir so langsam eine gewisse Tempel-Müdigkeit einstellt. Gibt's da auch was von ratiopharm?
Nein, aber es sind schon sehr prachtvolle Gebäude und Anlagen.