Sonntag, 1. Juli 2018

8| Moskau, Moskau, wirf die Gläser an die Wand...

Jetzt wird es ernst.
Am 07. August mach ich endgültig rüber. Die Flüge sind gebucht. Von Hamburg zunächst nach Moskau, wo ich gute 4 Stunden Aufenthalt haben werde. Zu wenig Zeit leider um die Stadt zu erkunden, Zeit genug jedoch um Gläser an die Wand zu werfen.
Sollte man mich dennoch weiterfliegen lassen, werde ich nach siebeneinhalbstündigem Flug um 09:50 Ortszeit am Mittwoch, den 08.08.2018 chinesischen Boden für längere Zeit betreten.
Dort bleiben mir 10 Tage Zeit um eine Wohnung zu finden und organisatorische Sachen zu regeln. Für die Wohnungssuche bin ich eigentlich auch ganz optimistisch. Ich habe eine Top3 von compounds, die für mich in Frage kommen und auf die ich auch Lust habe. 
 

 Und bei den organisatorischen Dingen, insbesondere die Beantragung der Residence Permit incl. einer Gesundheitsuntersuchung und eines persönlichen Interviews bei der Visastelle, sowie die Eröffnung eines chinesischen Kontos gibt's Unterstützung vom neuen Arbeitgeber.
Und spätestens ab 20.08. beginnt er dann ... der Alltag.

Zuvor gibt's auch in Hamburg noch eine Menge zu erledigen:
Versicherungs, Finanz-, Visum-, (Ab-)melde-Angelegenheiten. Öde, aber notwendig.
Verabschiedung in der Schule. Mindestens ein weinendes Auge.
Abiball. Genug Kopfschmerztabletten im Haus?
5 Tage dem Stress entfliehen. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Impfungen. Muss wohl sein.
Haushaltsauflösung.Hilft ja nix.
Autoverkauf. Schade.
Umzugsangelegenheiten. Was nicht mitkommt, bleibt hier.

Für Oktober hat sich tatsächlich schon der erste Besuch in Peking angemeldet.
Alle anderen Interessierten bitte den Besuchereingang nutzen und eine Wartemarke ziehen. 😎
 

Ich bin gespannt. Im Oktober werde ich ja schon lange eine Wohnung haben (hoffentlich), arbeite bereits ein paar Wochen, bin mehr oder weniger im Alltag angekommen. Momentan fühlt sich das alles für mich noch echt komisch an. Im Oktober dann hoffentlich nicht mehr.

Über Silvester wird es - so ist zumindest der Plan - nach Hongkong gehen. Wollt ich immer schon mal hin, und bisher kenne ich Hongkong nur von den 9,60 € Daten-Roaming-Gebühren für 800 kB auf dem Flughafen.
Teures Pflaster!


Samstag, 16. Juni 2018

7| Infos, Infos, Infos, Infos ...

Montagmorgen um 08:00 Uhr, also 02:00 nachts deutscher Zeit, begann das, weswegen ich und die 13 anderen neuen Kollegen überhaupt nach Peking eingeladen waren - die Einführungswoche an der neuen Wirkungsstätte.
Fast jeden Tag 12 bis 14 Stunden rappelvolles Programm: Informationsveranstaltungen, Seminare, Gespräche, Hospitationen, aber auch Einladungen zum Essen in chinesischen Lokalen.
Und - mir blieb ja nun auch nicht viel übrig - ich habe das Allermeiste davon probiert. Und es war richtig lecker. Das Essen mit Stäbchen muss ich allerdings noch etwas trainieren. Aber wie heißt es doch so schön: Ich klecker nicht, ich dekoriere! 😋

Abendliche Lucky Street, eine Straße mit einem Lokal nach dem anderen:


 Blick in den Chaoyang-Park:


Ein großes Highlight für uns Neuen war auf jeden Fall die Möglichkeit, Makler zu treffen und Wohnungen in den verschiedensten compounds zu besichtigen. Insgesamt 8 compounds habe ich gesehen. Mieten wird man allerdings ein Appartement erst im August kurz vor Arbeitsbeginn. Üblich ist dort ein kurzfristiges Suchen und Mieten innerhalb weniger Tage. Aus deutscher Sicht kaum vorstellbar.
Ich weiß nach diesen ersten Besichtigungen zumindest schon relativ genau, wo und wie ich wohnen möchte. Gesehen haben wir tatsächlich alles.
Von "Uuiii, hier drin ist wohl jemand gestorben. Gut, dass wir Schuhüberzieher an haben." bis "Cool, von wem krieg ich den Schlüssel?".
Fotos habe ich in den Wohnungen nicht gemacht, da die Informationsflut einfach zu groß war und ich mir immer nur schnell ein paar Notizen gemacht habe. Nur ein Bild habe ich aufgenommen:


Fully furnished heißt eben fully furnished.😉

Den letzten gemeinsamen Abend haben wir zusammen mit einigen "alten" Kollegen zuerst in einem Lokal mit gezapftem Bier, dann am Landmark Kanal mit Dosenbier zugebracht. Und das war nach all dem Stress der vorangegangenen Tage ein unheimlich gemütlicher, herzlicher und lustiger Abschluss dieser Woche. Ich bin mir sicher, auch wenn die erste Aufregung und Anspannung damit verflogen ist, es wird im August trotzdem noch spannend und aufregend genug.

Freitag ging es für die Meisten nach dem Frühstück wieder zurück in die Heimat. Und - ganz ehrlich - ich hab mich auch drauf gefreut. Obwohl sich die Verabschiedung von einigen bereits anfühlte, als würde man sich schon ewig kennen.
Meine Flüge waren im Gegensatz zum Hinflug pünktlich und entspannt, das Essen und der Wein waren gut.



Pünktlich zum Anpfiff des Spiels Portugal gegen Spanien war ich dann wieder zuhause. Im Kühlschrank warteten Wiener Würstchen und ein paar gut gekühlte Flens.
Gute Planung ist eben alles.



6| Drei Chinesen mit dem Kontrabass...

...habe ich in der letzten Woche nicht gesehen.
Aber es war trotzdem die vielleicht intensivste Woche in meinem bisherigen Leben.

Begonnen hat mein Peking-Abenteuer allerdings mit viel Schlaf. Nach den anstrengenden Flügen bin ich Samstagnacht wie tot ins Bett gefallen und erst um 09:30 durch Klopfen und Klingeln vom Housekeeping wach geworden.

Kleines Bilderrätsel am Rande: Warum hatte ich im Hotel das Gefühl, dass Etage 7 den deutschen Gästen vorbehalten ist? 


Nach opulentem Frühstück - ich hatte noch ein Käsebrötchen von zuhause dabei - bin ich am Sonntagvormittag auf Erkundungstour im näheren Umfeld des Hotels und meiner neuen Wirkungsstätte gegangen und dabei schon gleich in die chinesiche Ess- und Trinkkultur abgetaucht:

 

Mittags habe ich mich zur nächstgelegenen Subway-Station aufgemacht, um ein wenig mehr von Peking zu sehen, denn ich wusste schon, dass es dazu während der Vorbereitungswoche keine Gelegenheit mehr geben würde.
U-Bahn fahren ist in Peking super einfach und ziemlich günstig. Eine Fahrt kostet umgerechnet etwa 50 Cent. Jede Station betritt man durch einen Sicherheitsbereich ähnlich wie am Flughafen mit Metalldetektoren und Durchleuchtung der Tasche. Gelegentlich musste ich auch einen demonstrativen Schluck aus meiner Cola-Flasche nehmen, und habe mich gefragt, ob Flüssigsprengstoff wohl genießbar ist.

Mein erstes Ziel war Olympic Green - der Olympia-Park, in dem 2008 die Olympischen Spiele stattfanden.



Einfach ein bisschen bummeln, Leute gucken, Geräusche und Gerüche wahrnehmen und sich die Sonne auf den Pelz brennen lassen.
Am späten Nachmittag ging's Richtung Tian'anmen-Platz.



Dort war eine merkwürdige Stimmung. Gegen 19.30 räumte die Polizei generalstabsmäßig einen Großteil des Platzes und eine große Menschenmenge versammelte sich um einen Fahnenmast. Umstellt war diese Menschenmenge von Polizisten und streng blickenden Herren in weißen Hemden und schwarzen Hosen, die ich als so etwas wie Stasi in Zivil interpretieren würde.


Dann wurde mit viel Pomp die Nationalflagge eingeholt, und die Menschenmasse löste sich binnen weniger Minuten wieder auf.
Wie vom Erdboden verschluckt waren auch die streng blickenden Herren in weißen Hemden und schwarzen Hosen.